Bevor ich gegründet habe, hatte ich eine ziemlich romantisierte Vorstellung vom Gründen in Deutschland. Ich bin mit der Idee gestartet, dass das System sagt:
„Ah, eine Gründerin. Super. Hier entlang.“
Die Realität war deutlich nüchterner. Sie bestand aus sehr vielen offenen Browser-Tabs, Warteschleifen, Formularen und dem freundlichen Hinweis nach gefühlten 32 Minuten am Telefon:
„Informieren Sie sich dazu bitte noch einmal und melden Sie sich dann wieder.“
Also habe ich angefangen zu suchen. Nach Orientierung. Nach einer Art Gründungsfahrplan, der mir nicht nur sagt, dass ich einen Businessplan brauche, sondern was darüber hinaus wirklich relevant ist. Gerade in der frühen Gründungsphase fehlt oft nicht der Wille oder die Motivation, sondern Klarheit. Und genau darum geht es in diesem Artikel.
Die Suche nach einer echten Gründungsroadmap
Ich habe viele Stunden damit verbracht, mich durch Inhalte zu klicken: Gründerratgeber, Checklisten, Blogartikel, PDFs, Portale, Förderseiten. Inhaltlich war vieles korrekt. Praktisch war wenig davon hilfreich.
Das Muster war oft dasselbe:
- viel Theorie
- wenig Priorisierung
- kaum Einordnung, wann welches Thema wirklich wichtig wird
Ja, IHK, ich weiß, dass ich einen Businessplan brauche. Aber die viel wichtigere Frage war: An was muss ich bitte noch alles denken und in welcher Reihenfolge?
Was mir gefehlt hat, war keine weitere Checkliste, sondern eine Struktur mit Tiefe. Klare Leitplanken für ein ohnehin turbulentes Gründungsjahr, vor allem für den rechtlichen und organisatorischen Rahmen. Denn genau dort entstehen Unsicherheiten, die sich später rächen können.
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Was mir in der Gründung wirklich Sicherheit gegeben hat
Was mich durch diese Phase getragen hat, war mein Umfeld. Und ganz besonders die rechtliche Begleitung aus meinem nahen Kreis. Zu wissen, dass ich bei Themen wie Markenanmeldung, Verträgen oder Haftungsfragen nicht allein bin, hat mir enorm viel Sicherheit gegeben. Nicht, weil jemand alles für mich gelöst hat. Sondern weil ich es mit einem Experten besprechen und meine Fragen klären konnte.
Ein zentrales Learning aus dieser Zeit war deshalb sehr klar: Chattie ist in der Gründung zwar unbezahlter Mitarbeiter Nummer eins und das für nur 22,99 € bei rechtlichen oder steuerlichen Fragen aber eine klare Red Flag 🚩.
Nicht alles lässt sich sinnvoll ergoogeln. Und nicht jede Entscheidung sollte man allein treffen. Gerade bei Themen, die langfristige Auswirkungen haben, ist Unterstützung kein Zeichen von Schwäche, sondern von Weitsicht.
Vier Learnings aus meiner Gründung (basierend auf echten Entscheidungen, nicht auf Theorie)
1. Unternehmensform: Denk größer, als du gerade startest
Viele starten mit dem, was schnell und unkompliziert wirkt. Ein Kleingewerbe, wenig Bürokratie, niedrige Einstiegshürden. Das ist verständlich und in vielen Fällen auch sinnvoll.
Was dabei oft fehlt, ist der Blick nach vorn:
- Will ich solo bleiben?
- Will ich Mitarbeitende einstellen?
- Will ich wachsen oder bewusst klein bleiben?
Die passende Rechtsform hängt nicht nur vom Start ab, sondern vom Ziel. Spätere Änderungen kosten Zeit, Geld und vor allem Energie besonders dann, wenn man bereits mitten im operativen Geschäft steckt und Kunden betreut. Was ich dabei unterschätzt habe: Die Gründung einer UG oder GmbH und alles, was daran hängt, nimmt deutlich mehr Zeit in Anspruch, als man anfangs denkt. Notartermine, Abstimmungen, Bankthemen, Unterlagen, Rückfragen. Das parallel zum Tagesgeschäft zu stemmen, kann schnell zu viel werden.
Mein Tipp: Wenn absehbar ist, dass eine UG oder GmbH das Ziel ist, lohnt es sich, die Gründung bewusst vorzuziehen, bevor das operative Geschäft auf Vollgas läuft.
→ Gründerplattform: Gute erste Orientierung zu Rechtsformen, Gründungsschritten und Entscheidungsfragen, um ein Grundverständnis aufzubauen. → https://gruenderplattform.de
→ Raketenstart: Praktische Unterstützung und Begleitung im Gründungsprozess, wenn man nicht alles allein organisieren möchte → https://www.raketenstart.de
2. Netzwerk: Gründen ist kein Einzelsport
Gründen fühlt sich gerade am Anfang oft einsam an. Viele Entscheidungen trifft man allein. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Und nicht jede Unsicherheit lässt sich im eigenen Umfeld besprechen.
Der Austausch mit anderen Gründern hilft hier enorm:
- emotional, weil man merkt, dass Zweifel normal sind
- fachlich, weil man von echten Erfahrungen profitiert
- strategisch, weil man Abkürzungen kennenlernt
Mein Tipps für München: Netzwerke, Stammtische oder Gründerevents sind kein Zeitvertreib. Sie sind Teil des Lernprozesses. Oder anders gesagt: Man spart sich viele Umwege, wenn man nicht alles selbst herausfinden muss.
→ Businettes: Bietet einen geschützten Rahmen für Austausch unter Gründerinnen, mit Events und Formaten, die ehrliche Gespräche und langfristige Verbindungen ermöglichen.
→ June Minds: Verbindet Community, Mentoring und Weiterentwicklung und schafft Räume, in denen Netzwerken nicht laut, sondern nachhaltig funktioniert.

3. Rechtliches: Hier bitte nicht improvisieren
Markeneintragung, Kundenverträge, Freelancerverträge, Haftungsfragen, all das sind Themen, die man gern auf später schiebt. Weil sie komplex wirken. Weil sie nicht kreativ sind. Und weil man lieber am Angebot arbeitet. Genau hier lohnt sich frühe Unterstützung. Fehler im rechtlichen Bereich werden selten sofort sichtbar. Aber wenn sie auftauchen, sind sie oft teuer, nervig und zeitaufwendig. Ein sauber aufgesetzter rechtlicher Rahmen ist kein Selbstzweck. Er schafft Sicherheit, für dich und für alle, mit denen du arbeitest.
Hilfreich dazu:
→ IHK München: Bietet Erstauskünfte zu Recht und Steuern für Unternehmen und ist eine gute erste Anlaufstelle, um grundlegende Fragen einzuordnen und Unsicherheiten zu klären.→ Zur IHK
→ Gründerplattform: Liefert verständliche Informationen zu Rechtsformen und rechtlichen Grundlagen und hilft dabei, erste Entscheidungen besser vorbereitet zu treffen. → https://gruenderplattform.de

4. Experten wie Steuerberater & Co.: Deine Zeit ist auch Geld. Wirklich.
Ich habe viele Stunden mit Eigenrecherche zu Unternehmenssteuern verbracht. Artikel gelesen, Foren durchsucht, Informationen verglichen. Am Ende hatte ich mehr Fragen als Antworten. Eine gute Beratungsstunde kann in kurzer Zeit Klarheit schaffen. Und langfristig Ressourcen sparen.
Mein Learning: Rechne deine Zeit ehrlich gegen den Stundensatz eines Experten. Nicht jede Aufgabe lohnt sich selbst zu machen. Und nicht jede Kompetenz muss man sich aneignen.
Fazit: Klarheit schlägt Aktionismus
Gründen braucht nicht noch mehr Motivation. Es braucht Orientierung, Klarheit und an den richtigen Stellen Unterstützung. Nicht überall. Aber genau dort, wo Entscheidungen langfristige Auswirkungen haben.
Wenn ich heute auf meine Gründung zurückblicke, dann nicht mit dem Anspruch, alles perfekt gemacht zu haben. Sondern mit dem Wissen, welche Entscheidungen mir Zeit, Nerven und Umwege erspart hätten.




